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Leerstand im Haus?Das Risiko trägt der Vermieter (BGH VIII ZR 159/05)

Stehen zwei von zehn Wohnungen leer, darf Ihr Vermieter nicht ein Achtel statt ein Zehntel umlegen. Das Leerstandsrisiko bleibt beim Eigentümer — nicht bei Ihnen.

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BGH 159/05Leiturteil Leerstand
§556a BGBUmlageschlüssel
3 JahreRückforderung (§195 BGB)

Leiturteil

BGH VIII ZR 159/05 — der Meilenstein zum Leerstandsrisiko

Der BGH hat 2006 den Grundsatz festgeschrieben: Beim Flächenschlüssel ist Gesamtfläche gleich Gesamtfläche. Leerstand reduziert nicht den Teiler, sondern fällt dem Eigentümer zur Last.

31.05.2006

Entscheidungsdatum — seitdem ständige Rechtsprechung aller Instanzen.

Flächenschlüssel

Leerstand geht immer zulasten des Vermieters, unabhängig von Dauer und Ursache.

Verbrauch

Gilt sinngemäß auch bei verbrauchsabhängigen Kosten ohne separate Zähler für die leere Einheit.

Das Urteil ist das meistzitierte BGH-Urteil zum Umlageschlüssel. Mietervereine und Gerichte stützen sich laufend darauf.

Mechanik

So schummelt der Vermieter typischerweise

  1. 01

    Umlage nur auf „vermietete Fläche“

    Der Vermieter nimmt statt der Gesamtfläche nur die aktuell vermietete Fläche als Teiler. Ihr Anteil steigt künstlich.

  2. 02

    Gesamtfläche „angepasst“

    Manchmal wird die Gesamtfläche schlicht korrigiert, um den Leerstand verschwinden zu lassen. Das fällt nur bei Vergleich mit Vorjahren auf.

  3. 03

    Personenzahl statt Einheiten

    Bei Müllgebühren wird auf Personen der Bewohner statt Einheiten umgeschlagen — das mindert den Vermieter-Anteil für leere Wohnungen.

  4. 04

    Verbrauchskosten ohne Einzelzähler

    Für leere Einheiten wird kein Verbrauch erfasst und nicht eingerechnet — die Grundkosten verteilen sich auf die verbleibenden Mieter.

Unterscheidung

Flächenschlüssel vs. Verbrauchserfassung

Flächenschlüssel

Gesamtwohnfläche ist der Teiler — immer. Auch wenn die Hälfte der Wohnungen leer steht. Kein Ausnahme.

§556a Abs. 1 BGB

Verbrauch mit Zähler

Nur der tatsächliche Verbrauch der einzelnen Einheit. Eine leerstehende Wohnung verbraucht nichts — die anderen zahlen nichts extra.

§7 HeizKV

Gemischte Heizkosten

Grundkosten laufen nach Fläche, Verbrauchsanteil separat. Für Grundkosten-Anteile greift das Leerstandsprinzip wieder voll.

§7 Abs. 1 HeizKV

Check

So prüfen Sie den Umlageschlüssel in drei Minuten

Erster Schritt: Mieterliste oder Grundbuchauszug über das Einsichtsrecht nach §259 BGB anfordern. Der Vermieter muss Auskunft geben, sonst kippt die Abrechnung formal.

Zweiter Schritt: Die ausgewiesene Gesamtwohnfläche mit Ihrem Anteil vergleichen und nachrechnen. Sprünge zwischen den Jahren sind Warnsignale.

Dritter Schritt: Differenz zum korrekten Anteil berechnen und in die Einwendung aufnehmen. Drei Jahre rückwirkend ist die Regelverjährung (§195 BGB).

Rechenbeispiel

1.200 m² Haus, 180 m² leer — 190 € zu viel pro Jahr

Ausgangslage

Wohnhaus mit 1.200 m² Gesamtfläche, davon 180 m² leer. Ihre Wohnung: 90 m². Jahresbetriebskosten 14.400 €. Der Vermieter rechnet nur auf 1.020 m² vermieteter Fläche um.

Rechnung

Korrekt: 14.400 € × (90/1.200) = 1.080 €. Falsch (Vermieter): 14.400 € × (90/1.020) = 1.270,59 €. Überzahlung: 190,59 € pro Jahr.

Ergebnis

Rückforderung über drei Jahre: 571,77 € — plus Verzugszinsen ab Mahnung (§288 BGB).

FAQ

Häufige Fragen

Leerstands-Anteil gegen Gesamtfläche rechnen.

Wir markieren, wenn die Gesamtfläche auffällig kleiner angegeben ist als im Vorjahr und rechnen Ihre korrekte Quote durch.

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